Wissenschaftler haben untersucht, wie sich ein Verbot der Handynutzung an Universitäten auf die akademischen Leistungen der Studierenden auswirkt. Die Ergebnisse der Untersuchungen liefern interessante Erkenntnisse.
Exklusivbericht: Eyüp Koçak
In einer wissenschaftlichen Studie mit 16.683 Studierenden wurde untersucht, wie sich ein Verbot der Handynutzung an Universitäten auf den Studienerfolg auswirkt. Dabei zeigte sich, dass das Einsammeln von Mobiltelefonen während des Unterrichts insbesondere bei bestimmten Studierendengruppen zu besseren Noten führte. Die Untersuchung lieferte außerdem bemerkenswerte Erkenntnisse über das Verhalten der Studierenden im Unterricht und ihre Einstellung zu Handyverboten.
Während die Einschränkung der Handynutzung an Universitäten weltweit weiterhin diskutiert wird, liefert eine internationale wissenschaftliche Studie neue Erkenntnisse über die Auswirkungen solcher Verbote auf die Bildung. Im Rahmen der Untersuchung, an der 16.683 Studierende in Indien teilnahmen, wurden die Auswirkungen eines Handyverbots während der Lehrveranstaltungen auf die akademischen Leistungen, das Verhalten der Studierenden und das Lernumfeld untersucht.
Studierende mit Handyverbot erzielten bessere Noten
Im Rahmen der Studie wurden die Studierenden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. In einer Gruppe wurden die Mobiltelefone vor Beginn der Lehrveranstaltungen eingesammelt. In der anderen Gruppe blieb die bisherige Regelung bestehen.
Nach einem akademischen Semester wurden die Noten und das Verhalten der Studierenden während des Unterrichts miteinander verglichen.
Den Ergebnissen zufolge zeigte sich in den Gruppen, in denen Mobiltelefone eingesammelt wurden, im Durchschnitt eine geringe, aber positive Verbesserung der akademischen Leistungen.
Besonders profitierten Studierende, die zuvor schlechtere Noten erzielt hatten, Studienanfänger sowie Studierende außerhalb der sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik).
Die Ergebnisse bedeuten jedoch nicht, dass ein Handyverbot die Studienleistungen aller Studierenden gleichermaßen verbessert.
Weniger Gespräche und störendes Verhalten im Unterricht
Die Wissenschaftler untersuchten auch, wie sich das Handyverbot auf die Atmosphäre während der Lehrveranstaltungen auswirkte.
Beobachtungen zeigten, dass in den Gruppen mit Handyverbot weniger private Gespräche zwischen den Studierenden stattfanden und störende Verhaltensweisen zurückgingen.
Gleichzeitig stellten die Beobachter in diesen Gruppen jedoch mehr Anzeichen von Unaufmerksamkeit fest.
In ihren eigenen Einschätzungen berichteten die Studierenden hingegen nicht über eine statistisch signifikante Zunahme ihrer Ablenkung.
Studierende unterstützten das Handyverbot zunehmend
Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis der Studie betrifft die veränderte Einstellung der Studierenden gegenüber Handyverboten.
Studierende, die ihre Mobiltelefone während der Lehrveranstaltungen abgeben mussten, unterstützten nach der Teilnahme an der Untersuchung vergleichbare Einschränkungen stärker als zuvor.
Zudem nahm ihr Wunsch ab, während des Unterrichts uneingeschränkten Zugriff auf ihre Mobiltelefone zu haben.
Ein Handyverbot löste nicht alle Probleme
Im Rahmen der Studie wurden außerdem das allgemeine psychische Wohlbefinden, die akademische Motivation, die digitalen Gewohnheiten sowie Erfahrungen mit Online-Belästigung untersucht.
In diesen Bereichen konnten jedoch keine statistisch signifikanten Veränderungen festgestellt werden.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das Einsammeln von Mobiltelefonen während der Lehrveranstaltungen zwar positive Auswirkungen auf die akademischen Leistungen haben kann, das allgemeine Wohlbefinden und die digitalen Gewohnheiten der Studierenden jedoch nicht im gleichen Maße beeinflusst.