Einsamkeit kann bis zu 6 gesunde Lebensjahre kosten

Einsamkeit kann bis zu 6 gesunde Lebensjahre kosten

Wissenschaftler untersuchten Gesundheitsdaten von mehr als 270.000 Erwachsenen und stellten einen Zusammenhang zwischen Einsamkeit, sozialer Isolation und einer geringeren Anzahl krankheitsfreier Lebensjahre fest.

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Besonders auffällig sind die Ergebnisse zur psychischen Gesundheit von Männern mit einem Unterschied von bis zu 5,8 Jahren. Gesunde Ernährung, Bewegung und ausreichend Schlaf gelten als wichtige Voraussetzungen für ein gesundes Leben. Eine umfangreiche Untersuchung, die in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, zeigt, dass auch zwischenmenschliche Beziehungen eine bedeutende Rolle spielen können.

Für die Studie wurden Daten von mehr als 270.000 Erwachsenen im Alter zwischen 40 und 69 Jahren ausgewertet. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen, die von Einsamkeit und sozialer Isolation betroffen sind, durchschnittlich weniger Lebensjahre ohne bestimmte chronische Erkrankungen verbringen. In einzelnen Vergleichen erreichte der Unterschied nahezu sechs Jahre.

Die Untersuchung beweist allerdings nicht, dass Einsamkeit unmittelbar sechs Lebensjahre verkürzt. Sie zeigt statistische Zusammenhänge zwischen sozialen Beziehungen und der erwarteten krankheitsfreien Lebenszeit.

Auch in Gesellschaft können Menschen einsam sein
Die Wissenschaftler unterscheiden zwischen Einsamkeit und sozialer Isolation. Soziale Isolation beschreibt einen Zustand, in dem Menschen nur wenige Kontakte pflegen und selten an gemeinschaftlichen Aktivitäten teilnehmen. Einsamkeit hingegen ist ein subjektives Gefühl fehlender Nähe oder Zugehörigkeit. Deshalb können sich auch Menschen mit zahlreichen sozialen Kontakten einsam fühlen. Umgekehrt bedeutet ein Leben mit viel Zeit allein nicht zwangsläufig, dass jemand unter Einsamkeit leidet. Das Forschungsteam um Professor Lu Qi von der Tulane University stellte fest, dass beide Faktoren mit der Zahl gesunder Lebensjahre zusammenhängen.

Besonders deutlicher Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit
Ein zentrales Ergebnis betrifft die psychische Gesundheit. Die statistischen Zusammenhänge zwischen Einsamkeit, sozialer Isolation und krankheitsfreien Lebensjahren waren bei Depressionen und Angststörungen besonders ausgeprägt. Die Forscher untersuchten darüber hinaus Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen, neurodegenerative Krankheiten und Krebs. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass soziale Beziehungen nicht nur mit dem emotionalen Wohlbefinden, sondern auch mit der körperlichen Gesundheit verbunden sein können.

Frauen und Männer unterschiedlich betroffen
Bei der Auswertung für 50-jährige Personen zeigten sich Unterschiede zwischen Frauen und Männern.

Bei Frauen war Einsamkeit in Verbindung mit sozialer Isolation mit einer um etwa 2,4 Jahre kürzeren Lebenserwartung ohne körperliche Erkrankungen verbunden. Bei psychischen Erkrankungen betrug der Unterschied rund 3,7 Jahre.

Bei Männern lag der entsprechende Unterschied für körperliche Erkrankungen bei etwa 1,7 Jahren. Bei der erwarteten Lebenszeit ohne psychische Erkrankungen erreichte er dagegen 5,8 Jahre. Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass Männer häufiger von einer Kombination aus Einsamkeit und sozialer Isolation betroffen waren. Als mögliche Einflussfaktoren wurden Unterschiede bei sozialen Unterstützungsnetzwerken, wirtschaftlichen Bedingungen und Lebensgewohnheiten diskutiert.

Ein gesunder Lebensstil kann Risiken verringern
Regelmäßige körperliche Bewegung, ausgewogene Ernährung und weitere gesundheitsfördernde Gewohnheiten waren in der Untersuchung mit einer Abschwächung bestimmter negativer gesundheitlicher Zusammenhänge verbunden. Allerdings ergab sich daraus nicht, dass ein gesunder Lebensstil sämtliche mit sozialer Isolation verbundenen Nachteile vollständig ausgleichen kann.

Die Studienergebnisse unterstreichen deshalb die Bedeutung sozialer Kontakte und gegenseitiger Unterstützung. Neben körperlicher Aktivität und gesunder Ernährung kann es sinnvoll sein, bestehende Beziehungen zu pflegen und bei psychischen Belastungen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Dabei gilt: Nicht jeder Mensch, der allein lebt, entwickelt gesundheitliche Probleme. Die Qualität sozialer Beziehungen, persönliche Lebensumstände und individuelle Gewohnheiten können einen erheblichen Unterschied machen.

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