Stromkosten in Deutschland: Wann sich Stromverbrauch besonders lohnen kann

Wer in Deutschland einen dynamischen Stromtarif nutzt, kann durch den richtigen Zeitpunkt des Verbrauchs Stromkosten sparen. Doch nachts ist Strom nicht automatisch günstiger. Worauf Haushalte und Betriebe achten sollten.

BERICHT: EYÜP KOÇAK

Die zunehmende Verbreitung dynamischer Stromtarife in Deutschland verändert auch das Verbrauchsverhalten in Haushalten und Betrieben. Wer einen solchen Tarif nutzt, kann beispielsweise das Laden eines Elektroautos oder andere stromintensive Vorgänge in Zeiten mit niedrigeren Preisen verlagern und dadurch Kosten reduzieren.

Eine feste Uhrzeit gibt es dafür allerdings nicht. Eine deutschlandweit einheitliche Regel nach dem Motto „Ab dieser Uhrzeit ist Strom günstiger“ existiert nicht. Bei dynamischen Tarifen hängen günstige Zeitfenster von der Entwicklung der Strompreise am Markt ab.

Nachts ist Strom nicht automatisch günstiger

Es gibt keine allgemeine Regel, wonach Strom in der Nacht grundsätzlich günstiger ist. Bei einem dynamischen Tarif kann der Preis an einem Tag nachts niedrig sein und am nächsten Tag zur gleichen Uhrzeit deutlich höher liegen.

Vor allem für Haushalte und Betriebe, die Elektroautos laden, Wärmepumpen nutzen oder einen größeren Teil ihres Stromverbrauchs zeitlich verlagern können, kann es deshalb sinnvoll sein, die aktuellen Preise im Blick zu behalten.

Ein dynamischer Tarif ist nicht verpflichtend

Stromlieferanten in Deutschland sind seit dem 1. Januar 2025 verpflichtet, dynamische Stromtarife anzubieten. Verbraucher sind jedoch nicht verpflichtet, in einen solchen Tarif zu wechseln.

Für die Nutzung eines dynamischen Tarifs ist ein intelligentes Messsystem erforderlich, das den Stromverbrauch zeitlich erfassen kann.

Verbrauchsstellen mit einem jährlichen Stromverbrauch von mehr als 6.000 kWh gehören zu den Gruppen, für die der Einbau eines intelligenten Messsystems vorgesehen ist. Dies kann neben Haushalten mit hohem Stromverbrauch auch Betriebe betreffen.

Was können Sie tun, um hohe Stromkosten zu vermeiden?

Zunächst sollte geprüft werden, ob der eigene Stromvertrag einen festen oder einen dynamischen Tarif vorsieht. Bei einem klassischen Festpreistarif verändert die Nutzung von Strom zu unterschiedlichen Tageszeiten in der Regel nicht den vereinbarten Arbeitspreis.

Bei dynamischen Tarifen ist es dagegen wichtig, die täglichen Preise zu beobachten. Stromintensive Vorgänge wie das Laden eines Elektroautos können – soweit möglich – in günstigere Stunden verlegt werden.

Darüber hinaus kann es helfen, unnötig laufende Geräte auszuschalten, den Stromverbrauch im Stand-by-Modus zu reduzieren und insbesondere ältere Geräte mit hohem Verbrauch zu überprüfen.

Auch in Betrieben kann geprüft werden, ob stromintensive und zeitlich flexible Geräte nicht gleichzeitig betrieben, sondern auf unterschiedliche Zeiten verteilt werden können.

Bei dynamischen Tarifen gilt deshalb vor allem: Es geht nicht darum, sich eine bestimmte Uhrzeit zu merken, sondern größere Stromverbräuche möglichst in die jeweils günstigeren Stunden des Tages zu verlagern.

Bei hohem Verbrauch kann der Unterschied größer ausfallen

Die wirtschaftliche Bedeutung des Verbrauchszeitpunkts zeigt sich vor allem bei größeren Strommengen. Wird beispielsweise das Laden eines Elektroautos oder der Betrieb anderer stromintensiver Geräte in günstigere Preisphasen verschoben, kann dies einen größeren Unterschied machen als die zeitliche Verlagerung kleiner Haushaltsgeräte.

Ein dynamischer Tarif bedeutet allerdings nicht automatisch eine Ersparnis. Wer viel Strom in Zeiten hoher Preise verbraucht, muss unter Umständen mit höheren Kosten rechnen.

Für Haushalte und Betriebe mit dynamischem Tarif lautet die entscheidende Regel daher: Nicht eine feste Uhrzeit bestimmt, wann Strom günstig ist. Maßgeblich sind die jeweiligen Tagespreise – und die Möglichkeit, einen größeren Stromverbrauch gezielt in günstigere Zeitfenster zu verschieben.

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