Deutschlands Rentenlandschaft verändert sich: Türken mit 1,1 Millionen an der Spitze

Der „Rentenatlas 2025“ der Deutschen Rentenversicherung liefert neue Zahlen zu Versicherten, Rentenhöhen, Auslandszahlungen und den Finanzen des deutschen Rentensystems.

Besonders auffällig: Ende 2023 waren 8,52 Millionen ausländische Staatsangehörige aktiv versichert. Türkische Staatsangehörige bildeten mit rund 1,1 Millionen Menschen die mit Abstand größte Gruppe.

Die aktuellen Zahlen zur gesetzlichen Rentenversicherung zeigen, wie stark sich Deutschlands Arbeits- und Rentenlandschaft in den vergangenen Jahren verändert hat. Der von der Deutschen Rentenversicherung veröffentlichte „Rentenatlas 2025“ bündelt Daten zu Einnahmen und Ausgaben, Versicherten, Rentenhöhen, Rentenbeginn und Zahlungen ins Ausland.

8,52 Millionen ausländische Versicherte

Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Blick auf Versicherte mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Zum 31. Dezember 2023 waren 8.521.126 ausländische Staatsangehörige aktiv in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert. Ihr Anteil an allen aktiv Versicherten lag bei 21,2 Prozent.

Zum Vergleich: 1998 waren es noch 2,41 Millionen. Damit hat sich ihre Zahl innerhalb von 25 Jahren mehr als verdreifacht.

Türken bilden mit rund 1,1 Millionen die größte Gruppe

An der Spitze steht die Türkei. Rund 1.107.000 türkische Staatsangehörige waren Ende 2023 aktiv rentenversichert. Damit stellen Türkinnen und Türken die mit Abstand größte Gruppe unter den ausländischen aktiv Versicherten.

Es folgen ukrainische Staatsangehörige mit 649.000, polnische mit 630.000, rumänische mit 552.000 und italienische mit 345.000 Versicherten.

Weitere größere Gruppen sind Menschen mit serbischer Staatsangehörigkeit mit 287.000, aus Bulgarien mit 248.000, Kroatien mit 221.000 sowie Griechenland mit 197.000.

Die Zahl der ausländischen Versicherten erreichte damit einen neuen Höchststand. Als Faktoren für diese langfristige Entwicklung werden unter anderem die Ausweitung der Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union sowie die Fluchtmigration aus Ländern des Nahen Ostens und aus der Ukraine genannt.

Insgesamt 58,5 Millionen Versicherte

In der gesetzlichen Rentenversicherung waren Ende 2023 insgesamt 58,5 Millionen Menschen registriert. Davon galten 40,1 Millionen als aktiv und 18,4 Millionen als passiv versichert.

Unter den aktiv Versicherten befanden sich rund 33 Millionen Beschäftigte. Hinzu kommen unter anderem Minijobber, Pflegepersonen, Arbeitslosengeldbezieher, bestimmte Selbstständige und freiwillig Versicherte.

Die versicherungspflichtige Beschäftigung nahm um 85.000 Personen zu. Bei dieser Entwicklung spielte insbesondere das Wachstum der Beschäftigung von Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit eine wichtige Rolle.

Rentenversicherung nimmt 402 Milliarden Euro ein

Auch die finanziellen Dimensionen des deutschen Rentensystems sind erheblich. Im Jahr 2024 beliefen sich die Gesamteinnahmen der gesetzlichen Rentenversicherung auf 402,0 Milliarden Euro.

Davon stammten 305,8 Milliarden Euro aus Beiträgen. Einen weiteren bedeutenden Teil der Finanzierung stellten Mittel des Bundes dar.

Auf der anderen Seite standen 2024 Gesamtausgaben von 402,8 Milliarden Euro. Allein 360,1 Milliarden Euro entfielen auf Rentenzahlungen. Weitere 28,7 Milliarden Euro wurden für die Krankenversicherung der Rentnerinnen und Rentner aufgewendet. Für Leistungen zur Teilhabe, darunter medizinische und berufliche Rehabilitation, waren es 8,1 Milliarden Euro.

Damit lagen die Ausgaben 2024 leicht über den Einnahmen. Die Differenz wurde über die finanzielle Reserve der gesetzlichen Rentenversicherung ausgeglichen.

Mehr als 2.000 Euro für Männer in NRW

Bei der Höhe der Altersrenten zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Betrachtet werden dabei die durchschnittlichen Bruttobeträge der Altersrenten nach mindestens 35 Versicherungsjahren.

Bei Männern lag Baden-Württemberg mit rund 2.013 Euro weit vorne. In Nordrhein-Westfalen wurden durchschnittlich 2.005 Euro erreicht.

Für Nordrhein-Westfalen wird die vergleichsweise hohe Rente unter anderem mit der Vergangenheit des Landes als bedeutender Bergbaustandort erklärt. Viele Männer arbeiteten dort in gut bezahlten Beschäftigungsverhältnissen im Bergbau und erwarben dadurch entsprechende Rentenansprüche.

Bei Frauen fällt insbesondere Berlin-Ost auf. Dort lag der durchschnittliche Bruttobetrag bei 1.682 Euro.

Bundesweit betrug die durchschnittliche Bruttorente nach mindestens 35 Versicherungsjahren 1.692 Euro. Bei Männern waren es durchschnittlich 1.892 Euro, bei Frauen 1.459 Euro. Der durchschnittliche Zahlbetrag lag bundesweit bei 1.501 Euro.

Mehr als 1,7 Millionen Renten gehen ins Ausland

Ein erheblicher Teil der deutschen Rentenzahlungen wird inzwischen über die Landesgrenzen hinweg geleistet. Im Jahr 2024 zahlte die Deutsche Rentenversicherung mehr als 1,7 Millionen Renten ins Ausland.

Das entsprach etwa 6,5 Prozent aller Rentenzahlungen. Rund 72 Prozent der Auslandsrenten gingen in Staaten der Europäischen Union.

Der überwiegende Teil der Empfänger besitzt eine ausländische Staatsangehörigkeit. Diese Menschen haben durch ihre Beitragszahlungen in Deutschland entsprechende Rentenansprüche erworben.

Zum 31. Dezember 2024 wurden 1.457.177 Renten an ausländische Berechtigte im Ausland gezahlt. Hinzu kamen 244.934 deutsche Berechtigte, die ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt außerhalb Deutschlands hatten.

Fast 85.000 Zahlungen an ausländische Berechtigte in der Türkei

Auch die Türkei spielt bei den grenzüberschreitenden Rentenzahlungen eine bedeutende Rolle.

Die Statistik weist für die Türkei 84.933 Rentenzahlungen an ausländische Berechtigte aus. Zusätzlich wurden 4.439 Renten an deutsche Berechtigte in der Türkei gezahlt.

Dabei ist wichtig: Die Zahl der Rentenzahlungen ist nicht mit der Zahl der in Deutschland aktiv versicherten türkischen Staatsangehörigen gleichzusetzen. Es handelt sich um unterschiedliche Statistiken und Bezugszeiträume.

Renteneintrittsalter steigt auf 64,7 Jahre

Neben der Zahl der Versicherten verändert sich auch das Alter beim Eintritt in die Altersrente.

Im Jahr 2003 lag das durchschnittliche Rentenzugangsalter bei Frauen und Männern noch bei 62,9 Jahren. 2024 erreichte es bei beiden Geschlechtern 64,7 Jahre.

Zu den Gründen für den langfristigen Anstieg gehören das Auslaufen früherer Möglichkeiten eines vorgezogenen Rentenbezugs sowie die schrittweise Anhebung der Altersgrenzen.

Frauen beziehen im Schnitt 22,1 Jahre Rente

Gleichzeitig beziehen die Menschen in Deutschland ihre Rente über einen längeren Zeitraum.

2024 lag die durchschnittliche Rentenbezugsdauer bei Versichertenrenten für Männer bei 18,9 Jahren. Frauen erhielten ihre Rente durchschnittlich 22,1 Jahre.

2019 waren es bei Männern noch 18,2 Jahre und bei Frauen 21,7 Jahre. Innerhalb von fünf Jahren erhöhte sich die durchschnittliche Bezugsdauer damit bei Männern um 0,7 Jahre und bei Frauen um rund 0,4 Jahre.

Renten stiegen 2025 um 3,74 Prozent

Auch 2025 gab es eine Rentenanpassung für mehr als 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner. Die Renten wurden in Ost- und Westdeutschland einheitlich um 3,74 Prozent angehoben.

Seit dem 1. Juli 2025 beträgt der aktuelle Rentenwert bundesweit 40,79 Euro.

Die sogenannte Standardrente liegt bei 1.836 Euro brutto. Grundlage dieser Modellrechnung ist ein Versicherter, der 45 Jahre lang Beiträge gezahlt und dabei in jedem Jahr genau den Durchschnittsverdienst erzielt hat.

Die Zahlen zeigen zugleich, welchen Stellenwert ausländische Beschäftigte inzwischen innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung haben. Besonders türkische Staatsangehörige stechen hervor: Mit rund 1,1 Millionen aktiv Versicherten bilden sie die größte ausländische Gruppe im deutschen Rentensystem. Gleichzeitig verdeutlichen das steigende Renteneintrittsalter, die längere Bezugsdauer und ein Finanzvolumen von mehr als 400 Milliarden Euro die Dimensionen, mit denen sich die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland auseinandersetzt.

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