
Deutschlands Inflation zieht an: Neue Preisdaten erhöhen den Druck auf die Geldpolitik
In Deutschland hat sich der Preisauftrieb im September deutlich verstärkt.
Die vorläufige Inflationsrate liegt bei 3,3 Prozent. Gleichzeitig bleibt die Kerninflation bei 2,4 Prozent stabil. Damit rückt neben den Energiekosten auch die weitere Zinspolitik stärker in den Fokus.
Die neuen Preisdaten aus Deutschland verändern die Ausgangslage für die kommenden geldpolitischen Entscheidungen in der Eurozone. Im September erhöhten sich die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,3 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat betrug der Anstieg 0,6 Prozent.
Auch der für europäische Vergleiche herangezogene harmonisierte Verbraucherpreisindex weist einen jährlichen Zuwachs von 3,3 Prozent aus.
Mit dem September-Wert hat die Inflation in Deutschland ein Niveau erreicht, das seit fast drei Jahren nicht mehr verzeichnet worden war.
Energie sorgt für zusätzlichen Preisdruck
Hinter der stärkeren Gesamtinflation steht vor allem die Entwicklung der Energiekosten. Sie haben im September erheblich zum Anstieg des Preisniveaus beigetragen.
Bei der Kerninflation zeigt sich dagegen keine weitere Beschleunigung. Der Wert blieb bei 2,4 Prozent. Damit entwickelt sich der zugrunde liegende Preisdruck bislang anders als die Gesamtinflation, die stärker auf die Energieentwicklung reagiert.
Für die weitere Entwicklung wird deshalb entscheidend sein, ob sich der Kostendruck bei Energie fortsetzt und in welchem Umfang er andere Bereiche der Wirtschaft erreicht.
Deutschland ist kein Einzelfall
Der stärkere Preisauftrieb beschränkt sich nicht auf die größte Volkswirtschaft der Eurozone.
Auch Frankreich, Italien und Spanien meldeten überraschend kräftige Inflationsdaten. In Spanien erreichte die Teuerungsrate 5 Prozent. Dort haben höhere Kraftstoffkosten infolge des Iran-Krieges den Preisauftrieb zusätzlich verstärkt.
Damit gewinnt die für den 2. Oktober angekündigte Inflationszahl für die gesamte Eurozone erheblich an Bedeutung. Ökonomen erwarten einen Anstieg auf 3,7 Prozent.
Sollte sich diese Erwartung bestätigen, würde sich die Inflationsrate im Währungsraum deutlich weiter vom Zielwert von 2 Prozent entfernen.
Die Zinsfrage rückt wieder nach vorn
Für die Geldpolitik entsteht dadurch eine schwierige Abwägung. Nach zwei bereits vorgenommenen Zinserhöhungen müssen die Verantwortlichen entscheiden, wie sie auf einen möglicherweise länger anhaltenden Inflationsdruck reagieren.
Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob bereits bei der Sitzung im Oktober ein weiterer Zinsschritt folgt.
Alternativ könnten die Entscheidungsträger bis Dezember warten. Dann sollen aktualisierte Prognosen zusätzliche Hinweise darauf liefern, wie sich Konjunktur und Preise entwickeln.
Die deutschen September-Zahlen allein geben noch keine Antwort auf diese Entscheidung. Zusammen mit den stärkeren Inflationsdaten aus anderen Ländern der Eurozone erhöhen sie jedoch die Bedeutung der kommenden Daten für die weitere Ausrichtung der Geldpolitik.
Energie bleibt der entscheidende Unsicherheitsfaktor
Für Deutschland zeigt die aktuelle Entwicklung vor allem eines: Gesamt- und Kerninflation senden derzeit unterschiedliche Signale.
Während die Gesamtinflation auf 3,3 Prozent gestiegen ist, verharrt die Kernrate bei 2,4 Prozent. Der Abstand macht deutlich, welchen Einfluss die Energiepreise momentan auf die Entwicklung des allgemeinen Preisniveaus haben.
Sollten die Energiekosten weiter steigen, könnte der Inflationsdruck länger anhalten. Ob daraus auch dauerhaft stärkere Preissteigerungen in anderen Bereichen entstehen, lässt sich aus den vorliegenden Daten jedoch noch nicht ableiten.
Für Verbraucher, Unternehmen und Finanzmärkte dürfte deshalb nicht nur die nächste deutsche Inflationszahl entscheidend sein. Zunächst richtet sich die Aufmerksamkeit auf den 2. Oktober und damit auf die Frage, welches Inflationsbild sich für die Eurozone insgesamt ergibt.

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